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Die soziale Stadt
Die Situation an unseren Schulen ist in den meisten Fällen
ein Spiegelbild der Lage in den jeweiligen Stadtteilen.
Die Wohnquartiere nördlich und südlich des Westhafens
waren noch nie "gutbürgerlich". Sie sind
als Arbeiterviertel geplant und gebaut worden mit vergleichbar
günstigen Mieten. Und trotzdem kann man hier gut und
gerne wohnen und leben.
Aber es steht nicht überall zum Besten mit unseren
Kiezen - milde formuliert. Einige Viertel befinden sich
in einer Abwärtsspirale: Läden stehen leer, die
Häuser vergammeln. Wer es sich leisten kann, zieht
weg. Wer es sich nicht leisten kann, bleibt da. Wer sich
nichts Besseres leisten kann, zieht hierher. Es sind die
Viertel, die von Zuwanderern - in der Regel auch nicht die
Wohlhabensten - für sich entdeckt werden. Es liegt
in der Natur der Sache, dass sich Zuwanderer gern dort eine
Wohnung suchen, wo ringsherum schon viele Landsleute ansässig
sind. Das handhaben die Deutschen im Ausland übrigens
ganz ähnlich. Auf diese Weise entstanden z.B. in amerikanischen
Großstädten zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts
eigene Stadtteile wie Chinatown oder Little Italy. Auch
bei uns gibt es die Ecken, die fest in der Hand ethnischer
Gruppen sind. Bezeichnend der seit Jahrzehnten hier ansässige
türkische Geschäftsmann, der sich bei mir beklagte,
in seinem Haus seien nur noch Araber und er würde sich
überlegen, mit seiner Familie woanders hinzuziehen.
Gesund ist die Entwicklung nicht, wenn sich Viertel bilden,
in denen die Sozialhilfe die Haupteinkommensquelle ist und
in denen Zuwanderer über Jahre leben können, ohne
mit der deutschen Gesellschaft in Berührung zu kommen.
Schlimm ist das vor allem für die Kinder, die hier
großwerden und über kurz oder lang mit der deutschen
Gesellschaft klarkommen müssen, wenn sie in Schule
und Beruf etwas erreichen wollen. Als Hilfskraft in einer
Dönerbude mag man über die Runden kommen, aber
spätestens bei der Eröffnung des eigenen Ladens
ist man in dem Land angekommen, in dem man lebt - wenn z.B.
das Finanzamt vor der Tür steht und die Steuererklärung
haben will.
Die Politik muss sehr genau aufpassen, in welchen Vierteln
diese Trends sichtbar werden und nach Kräften gegensteuern.
Ein wichtiges Instrument dabei ist das Quartiersmanagement,
bei dem bezahlte Mitarbeiter in den Kiezen vor Ort sind
und sich um die großen und kleinen Probleme kümmern,
Initiativen und Aktivitäten ins Leben rufen und Ansprechpartner
sind für Anwohner, die sich selbst in ihrem Viertel
engagieren oder auch nur auf Mißstände aufmerksam
machen wollen. Sehr oft sind es die kleinen Dinge, die Viertel
lebenswerter machen können.
Ein gutes Beispiel für ein gelungenes Quartiersmanagement
haben wir in Moabit West, also östlich und westlich
der Beusselstraße. Dort sind inzwischen eine ganze
Reihe von Initiativen sehr aktiv. Seien es Kinder- und Jugendprojekte,
seien es Künstleraktionen in den leerstehenden Läden.
Alles einzelne, vielleicht auch kleine Aktivitäten
- in der Summe tragen sie doch erheblich für ein gutes
und sicheres Zusammenleben im Viertel bei. Und es entwickeln
sich Inititativen, die weit über den Kiez hinausstrahlen.
Zum Beispiel der Aufruf "Für ein friedliches Zusammenleben",
mit dem die Vertreter der unterschiedlichen Glaubensrichtungen
einen gemeinsamen Verhaltenskodex entwickelt haben, für
dessen Einhaltung sie in ihren Gemeinden werben.
Ein anderes gutes Beispiel ist das Quartiersmanagement
am Sparrplatz rund um die Sprengelstraße. Auch hier
tut sich allerhand. Im Sommer wird mit dem Bau des Sprengelparks
begonnen. Die Gewerbetreibenden versuchen mit vielfältigen
Aktivitäten, ihr Viertel auch als Einkaufsstandort
attraktiver zu gestalten.
Es wäre ein irriger Glaube, dass das Ganze allein
dadurch funktioniert, dass der Staat Fördergelder in
die Kieze pumpt. Dreh- und Angelpunkt ist das Engagement
und die Aufmerksamkeit der Anwohner. Es fängt damit
an, dass man sich überhaupt dafür interessiert,
was vor der eigenen Haustür passiert. Und mündet
möglicherweise in der Mitarbeit oder auch der Gründung
eines Stadtteilvereins. Mein politisches Engagement hat
vor Jahren damit begonnen, dass ich mich für meinen
Kiez interessiert habe. Daran hat sich bis heute nichts
geändert und wir haben seither gemeinsam vieles auf
die Schiene setzen und Entwicklungen beeinflussen können.
Daran werde ich auch in den kommenden Jahren mitarbeiten
- ob im oder außerhalb des Abgeordnetenhauses.
(Stand Herbst 2006)

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