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Bildung
und Schule
Eines der grössten Pfunde, mit denen Berlin wuchern
kann, ist seine sehr gut ausgebaute Hochschullandschaft,
die Studenten, Firmen und Fachkräfte in nahezu allen
Fachbereichen und aus allen Teilen der Welt anzieht. Unsere
Hochschullandschaft eröffnet aber auch gerade den Berliner
Schulabgängern exzellente Möglichkeiten. Damit
das so bleibt, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt
sein:
Erstens darf der Besuch der Hochschulen wie auch anderer
Bildungs- und Weiterbildungseinrichtungen nicht vom elterlichen
Geldbeutel abhängen. Es wird zur Zeit viel diskutiert
über Eliteuniversitäten und Spitzenforschung.
Hier sollte man zweimal hinschauen, wer mit "Elite"
gemeint ist. Geht es um Talent, Begabung und fachliche Qualifikation,
so sind Eliteinstitute neben der Massenuniversität
durchaus wünschens- und fördernswert, um den Wissenschaftsstandort
Deutschland im Spitzenfeld zu halten. Geht es jedoch allein
um die finanzielle Elite, um Studenten aus weniger betuchten
Familien fernzuhalten, sollte der Staat auf eine Förderung
dieser Institute verzichten. Wenn ohnehin viel Geld im Spiel
ist, müssen nicht auch noch die knappen Steuermittel
dazu kommen.
Zweitens müssen die Schulabgänger die Voraussetzungen
mitbringen, um erfolgreich studieren oder eine Berufsausbildung
absolvieren zu können. Und diese Voraussetzungen werden
in der Schule vermittelt. Auch zu meiner Schulzeit war es
so: Es gab die Klügeren und es gab die weniger Klugen.
Aus dem einen wurde was, aus dem anderen wurde nichts. Daran
hat sich bis heute nichts geändert. Wer zu welcher
Gruppe gehört, stellt sich erst im Verlauf der Schulzeit
heraus. Aber eine Voraussetzung haben wir alle gleichsam
erfüllt: Wir konnten deutsch. Und das ist nach wie
vor die Grundlage jeglichen Unterrichts.
An unseren Moabiter und Weddinger Grundschulen haben wir
Klassen mit bis zu 80% Kindern aus Familien nichtdeutscher
Herkunft. Das ist an und für sich nicht das Problem.
Türkische, arabische oder russische Kinder sind nicht
blöder als deutsche Kinder. Aber sie können oftmals
kaum deutsch, wenn sie in die Schule kommen. Wie soll da
sinnvoller Unterricht stattfinden? Man kann nur immer wieder
appellieren an die Eltern: Kümmert Euch um eure Kinder
und sorgt dafür, dass sie ihre Chancen im Leben bekommen.
Für mich ist es teilweise erschreckend, mit welcher
Scheißegal-Stimmung manche (auch deutsche) Eltern
die Zukunft ihrer eigenen Kinder betrachten.
Als Land gehen wir genau das Problem der mangelnden deutschen
Sprachkenntnisse gezielt an. Die Deutschstunden in den ersten
Klassen werden an den Schulen, an denen dies nötig
ist, erheblich ausgebaut. Dafür wurden und werden zusätzlich
Lehrer eingestellt. Wir wollen die Kinder verstärkt
in die Kitas holen. Das letzte Kita-Jahr wird ab 2007 kostenfrei.
Mit Sondermitteln aus der letzten Schröder-Regierung
haben wir viele Grundschulen in Ganztagsschulen umgewandelt,
an denen nicht nur klassischer Unterricht gegeben wird,
sondern auch viele Freizeitangebote bestehen und die Kinder
auch am Nachmittag betreut werden. Mit einem Sonderprogramm
des Landes Berlin wurden auch die baulichen Mängel
an etlichen Schulen behoben. Es wird einige Zeit brauchen,
bis all dieses wirkt, aber es gibt keine Alternative dazu.
Obwohl Berlin immer weniger Schülerinnen und Schüler
hat, haben wir die Anzahl der Leherinnen und Lehrer erhöht.
In der zweiten Klasse findet zusätzlicher Deutschunterricht
statt. Ab der dritten Klasse lernt jedes Kinde eine Fremdsprache,
in der fünften und sechsten Klasse sind Naturwissenschafen
neu hinzugekommen. Dort gibt es jetzt 2 bzw. 3 Stunden mehr
Unterricht.
Der Staat hat dafür zu sorgen, dass es bei den Bildungschancen
gerecht zugeht. Da darf auch der Stadtteil, in dem man wohnt,
keine Rolle spielen. Dass sind wir gerade auch unseren deutschen
Eltern schuldig. Deren Kinder können deutsch und es
ist nicht einzusehen, dass sie um ihre Chancen gebracht
werden, nur weil es in der Klasse sonst kaum jemand kann
und der Unterricht als Notprogramm läuft. Eltern schauen
sich zurecht vor der Einschulung genau an, auf welche Schule
der Sprössling gehen soll. Wer wollte es ihnen verdenken,
dass sie notfalls mit einem Umzug in eine "bessere
Gegend" die Geschicke in die eigenen Hände nehmen.
(Stand Herbst 2006)

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