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Arbeitsplätze
An erster Stelle steht die Erhaltung und Schaffung von Arbeitsplätzen. Und zwar von echten Arbeitsplätzen auf dem ersten Arbeitsmarkt. Staatlich geförderte Beschäftigungsgesellschaften, Qualifizierungsmaßnahmen und auch die sog. Ein-Euro-Jobs sind gut und hilfreich, aber eben keine echten Arbeitsplätze. Im Grunde genommen kann der Staat keine Arbeitsplätze schaffen, das ist Sache der Wirtschaft. Aber der Staat kann die Rahmenbedingungen beeinflussen. Das Land Berlin und auch der Bezirk Mitte haben dafür eine Reihe von Möglichkeiten. An erster Stelle steht der Bürokratieabbau. Wer sich jemals selbständig gemacht hat, weiss, wieviele Ämter es gibt, von denen er vorher noch nie etwas gehört hat. Hier lässt sich vieles vereinfachen und bündeln, manches schlicht abschaffen. Die neudeutsch "One-Stop-Agency" genannte, zentrale Anlaufstelle für alle Behördenfragen von Unternehmen ist ein Schritt in die richtige Richtung: Der Unternehmer hat einen Ansprechpartner in den Behörden, und der regelt die Fragen mit den nachgeordneten Verwaltungsstellen.

 


Die Arminiushalle an einem normalen Freitag nachmittag - von hektischem Andrang keine Spur

 

Die überwiegende Mehrzahl der Arbeitsplätze existiert und entsteht in kleinen und mittleren Unternehmen. Die Politik hat in der Vergangenheit ihren Blick zu sehr auf Großunternehmen konzentriert. Wenn ein Großunternehmen auf einen Schlag tausende von Arbeitsplätzen in Berlin abbaut, ist das ohne Frage ein herber Schlag für die Stadt. Aber letztlich nicht wirklich zu verhindern. Die Chancen, auf einen Schlag tausende von Arbeitsplätzen neu in die Stadt zu bekommen, sind dagegen ausgesprochen gering. Erfolgversprechender ist der Weg "über die Dörfer", indem sich die staatlichen Bemühungen auf kleine und mittlere Unternehmen konzentrieren, auf ausgewählte Branchen und auf Hochtechnologie. Adlershof ist ein Beispiel dafür. Dort ist - Schritt für Schritt - ein Technologiepark entstanden, der inzwischen von sich aus eine Sogwirkung für weitere Firmenansiedelungen entfaltet. Und im Schlepptau entstehen Arbeitsplätze, die mit Hochtechnologie nichts zu tun haben, die wir aber mindestens genau so dringend benötigen: Im Handwerk, im Einzelhandel, bei den Dienstleistungen.

Beispiele für den Schlepptaueffekt finden wir auch bei uns in Moabit - im Guten wie im Schlechten. Die Arminius-Markthalle zum Beispiel: Seit Jahren müssen wir zusehen, wie die Markthalle immer weiter "runterkommt". Aus diesem Grund hat das Abgeordnetenhaus beim Eigentümer der Halle, dem Berliner Grossmarkt, immer wieder darauf gedrungen, ein neues Konzept für die Halle zu erarbeiten bzw. sich um einen Käufer zu bemühen. Diesbezügliche Versuche über den Immobilienfonds haben jedoch zu keinem Erfolg geführt. Gegenwärtig (Stand Februar 2010) wird über ein Konzept der Zunft AG verhandelt, die Halle als Standort für kleine Manufakturen und regionale Lebensmittel zu etablieren. Mit einer prosperierenden Halle ist natürlich auch die Hoffnung verbunden, dass die positiven Effekte auf den umliegenden Kiez abfärben, dem im neuen Sozialatlas abermals ein sehr niedriger Entwicklungsindex mit schlechten Kennzahlen attestiert wird.

Ein Beispiel für einen positiven Schlepptaueffekt kann man auf der anderen Seite der Turmstraße beobachten. In der Kirchstraße entwickelt sich ein prosperierender Einzelhandel, im Westfälischen Viertel (also rund um Elberfelder und Essener Straße) können sich inzwischen auch hochpreisige Restaurants halten. Genaue Statistiken dazu gibt es nicht, aber es liegt nahe, dass in dieses Gebiet inzwischen auch wieder einkommensstärkere Bevölkerungsschichten zuziehen. In der Kirchstraße wird die Nähe zum Innenministerium und zu den Gerichten das ihre beitragen - ein positiver Schlepptaueffekt.