Home > Dokumente > Arminiushalle
   
 

Moabiter Markthalle wird verkauft
Liegenschaftsfonds sucht Käufer

von Jutta Leder

Der stete Abstieg der Markthalle war seit Jahren zu verfolgen und oft genug standen die Moabiter vor der bangen Frage "Na, wie lange wird das noch gut gehen?" Nun ist ein Schlusspunkt gesetzt. Der bisherige Betreiber, die Berliner Großmarkt GmbH hat den landeseigenen Liegenschaftsfonds beauftragt, die Halle zu verkaufen.
Das bedeutet nicht das sofortige Aus für die Markthalle. Solange kein Käufer gefunden ist, geht der Betrieb in dem denkmalgeschützten Gebäude wie gehabt weiter. Wie die Halle allerdings langfristig genutzt wird, steht heute noch in den Sternen. Klar ist nur: Sie bleibt stehen. Klar ist aber auch: Ein einfaches "weiter so" funktioniert nicht. Denn sie fährt Verluste ein und es gibt keine Hinweise darauf, dass sich daran "einfach so" was ändert.

Arminius-Markthalle Berlin Moabit 1999: Walter Momper und Wolfgang Thierse

Es gibt eine ganze Reihe von Gründen, weshalb in der ehemals gut ausgelasteten Halle inzwischen ein Drittel der Flächen leer stehen. Die Kaufkraft in Moabit ist rückläufig. Die traditionelle Kundschaft ist inzwischen weggezogen oder verstorben, neue Kundenkreise wurden nicht erschlossen. Das Käuferverhalten hat sich geändert, man geht zum Discounter oder in die Einkaufscenter. Ein Teil der Schwierigkeiten dürfte aber auch hausgemacht sein. Ein bündiges Vermarktungskonzept war in den letzten Jahren nicht zu erkennen. "Norma" und "Schlecker" - als Mieter sicherlich hoch willkommen - haben den Flair der Halle alles andere als gesteigert.
Dabei ist das vorhandene Angebot der verbliebenen 20 Händler besser als der Ruf der Halle selbst. Ob Fleisch- und Wurstwaren, Geflügel oder Fisch, ob Backwaren, Obst und Gemüse - man findet manches, was man im Supermarkt vergebens sucht. Und dies in guter Qualität und durchaus nicht zu 'Apotheken'- Preisen. Vergleichen lohnt, wie so oft, auch hier.
Natürlich wäre es wünschenswert, wenn die Markthalle auch in Zukunft der Nahversorgung mit frischen Lebensmitteln dienen würde. Aber wenn sich Wünsche rechnen würden, würde jetzt nicht der Verkauf der Halle anstehen. Standort- und Marktanalysen kommen zu dem eher ernüchternden Ergebnis, dass sich der Lebensmittelhandel nicht wirtschaftlich wird betreiben lassen. Neben den genannten Gründen wird auf die geringe Verkaufsfläche, das sehr kleine Einzugsgebiet, die fehlenden Parkmöglichkeiten sowie die versteckte Lage hinter dem Rathaus verwiesen. Hinzu kommt in absehbarer Zeit eine kompliziertere Konkurrenzlage, wenn auf dem Paech-Brot-Gelände an der Birkenstraße sowie auf dem Schultheiss-Areal Turm- / Ecke Stromstraße weitere Einzelhandelsflächen in Betrieb gehen. Die SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung setzt sich dafür ein, dass das Nachnutzungskonzept für die Markthalle im Einvernehmen mit dem Bezirk entwickelt wird und, falls der Betrieb als klassische Markthalle eingestellt werden sollte, die jetzt ansässigen Händler vom Bezirksamt aktiv bei der Suche nach Ausweichoptionen unterstützt werden.
Noch ist nicht abzusehen, wie die Markthalle zuküftig genutzt wird. Auf jeden Fall ist der Verkauf aber auch eine Chance auf eine positive Entwicklung.

Foto: Ein Bild aus besseren Tagen: Wolfgang Thierse und Walter Momper auf Einkaufstour in der gut besuchten Arminiushalle im Herbst 1999.

Der Beitrag erschien in der Ausgabe April/Mai 2008 der Lokalzeitung Neue Mitte