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Moabiter Markthalle wird verkauft
Liegenschaftsfonds sucht Käufer
von Jutta Leder
Der stete Abstieg der Markthalle war seit Jahren zu verfolgen
und oft genug standen die Moabiter vor der bangen Frage
"Na, wie lange wird das noch gut gehen?" Nun ist
ein Schlusspunkt gesetzt. Der bisherige Betreiber, die Berliner
Großmarkt GmbH hat den landeseigenen Liegenschaftsfonds
beauftragt, die Halle zu verkaufen.
Das bedeutet nicht das sofortige Aus für die Markthalle.
Solange kein Käufer gefunden ist, geht der Betrieb
in dem denkmalgeschützten Gebäude wie gehabt weiter.
Wie die Halle allerdings langfristig genutzt wird, steht
heute noch in den Sternen. Klar ist nur: Sie bleibt stehen.
Klar ist aber auch: Ein einfaches "weiter so"
funktioniert nicht. Denn sie fährt Verluste ein und
es gibt keine Hinweise darauf, dass sich daran "einfach
so" was ändert.

Es gibt eine ganze Reihe von Gründen, weshalb in der
ehemals gut ausgelasteten Halle inzwischen ein Drittel der
Flächen leer stehen. Die Kaufkraft in Moabit ist rückläufig.
Die traditionelle Kundschaft ist inzwischen weggezogen oder
verstorben, neue Kundenkreise wurden nicht erschlossen.
Das Käuferverhalten hat sich geändert, man geht
zum Discounter oder in die Einkaufscenter. Ein Teil der
Schwierigkeiten dürfte aber auch hausgemacht sein.
Ein bündiges Vermarktungskonzept war in den letzten
Jahren nicht zu erkennen. "Norma" und "Schlecker"
- als Mieter sicherlich hoch willkommen - haben den Flair
der Halle alles andere als gesteigert.
Dabei ist das vorhandene Angebot der verbliebenen 20 Händler
besser als der Ruf der Halle selbst. Ob Fleisch- und Wurstwaren,
Geflügel oder Fisch, ob Backwaren, Obst und Gemüse
- man findet manches, was man im Supermarkt vergebens sucht.
Und dies in guter Qualität und durchaus nicht zu 'Apotheken'-
Preisen. Vergleichen lohnt, wie so oft, auch hier.
Natürlich wäre es wünschenswert, wenn die
Markthalle auch in Zukunft der Nahversorgung mit frischen
Lebensmitteln dienen würde. Aber wenn sich Wünsche
rechnen würden, würde jetzt nicht der Verkauf
der Halle anstehen. Standort- und Marktanalysen kommen zu
dem eher ernüchternden Ergebnis, dass sich der Lebensmittelhandel
nicht wirtschaftlich wird betreiben lassen. Neben den genannten
Gründen wird auf die geringe Verkaufsfläche, das
sehr kleine Einzugsgebiet, die fehlenden Parkmöglichkeiten
sowie die versteckte Lage hinter dem Rathaus verwiesen.
Hinzu kommt in absehbarer Zeit eine kompliziertere Konkurrenzlage,
wenn auf dem Paech-Brot-Gelände an der Birkenstraße
sowie auf dem Schultheiss-Areal Turm- / Ecke Stromstraße
weitere Einzelhandelsflächen in Betrieb gehen. Die
SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung setzt
sich dafür ein, dass das Nachnutzungskonzept für
die Markthalle im Einvernehmen mit dem Bezirk entwickelt
wird und, falls der Betrieb als klassische Markthalle eingestellt
werden sollte, die jetzt ansässigen Händler vom
Bezirksamt aktiv bei der Suche nach Ausweichoptionen unterstützt
werden.
Noch ist nicht abzusehen, wie die Markthalle zuküftig
genutzt wird. Auf jeden Fall ist der Verkauf aber auch eine
Chance auf eine positive Entwicklung.
Foto: Ein Bild aus besseren Tagen: Wolfgang Thierse
und Walter Momper auf Einkaufstour in der gut besuchten
Arminiushalle im Herbst 1999.
Der Beitrag erschien in der Ausgabe April/Mai 2008 der
Lokalzeitung Neue
Mitte
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